Erika Schwarz aus Buchwalde: eine wahre Geschichte

Letztens fand ich ein Tagebuch meines Großvaters Manfred Bacher, welches er während des zweiten Weltkrieges schrieb. Die Beschreibungen darin gehen mir sehr zu Herzen, aber eine Geschichte ist so speziell, dass ich sie hier niederschreiben möchte. Meine stille Hoffnung: vielleicht lebt die betroffene Dame namens Erika Schwarz noch und vielleicht googelt eines ihrer Kinder, Enkel oder Urenkel nach ihrem Namen und findet diese Geschichte hier. Vielleicht möchte sich Erika dann mit mir in Verbindung setzen, denn ich würde nur zu gerne wissen, was aus ihr geworden ist.

“Erika”

Tagebuch Originalseite

Trecks – Trecks, und immer nur Trecks; und Kälte – sogar der Wind scheint eingefroren zu sein und hat sein Stürmen eingestellt.

Ostpreussen – ein fahrendes Volk. Immer noch nimmt der Zug der Not und des Elends kein Ende. Tag und Nacht wälzt sich der graue Wurm vorwärts. Und doch scheint das Ganze eine tote Masse zu sein, denn das Bild bleibt immer dasselbe: müde ausgemergelte Pferde mit hausratvollgestopften Wagen dahinter, in Pelzen und Mäntel gehüllte Menschen, deren Augen wie erloschen im Gesicht liegen.

An manchen Wagen sind Schilder befestigt: Kreis Tilsit, Kreis Allenstein, Insterburg, Osterrode, Warmditten, Labiau.

Ostpreussen ist im Aufbruch, auf der Flucht vor dem Schrecken des Ostens. Immer mehr wagen füllen die Straßen. Zu zweien, zu dreien nebeneinander rollen sie nach Westen, durch Samland über die Nehrung nach Pommern oder nach Braunster und über das Eis nach Danzig.

Nun steht die endlose Kolonne wieder, für Stunden vielleicht oder für Tage, denn auf einer Seitenstraße  schiebt sich ein neuer unabsehbarer Treck dazwischen…

Es geht weiter – Da vorne stürzt ein Wagen um! Das hintere Rad ist gebrochen. Auf dem Schild es gestürzten Fahrzeugs steht zu lesen: “E. Schwarz Buchwalde Kreis Osterode/PR.”

Ein kleines Mädchen von vielleicht zehn Jahren steigt aus, hinterher kommt ihre Mutter, ein in Decken gewickeltes, nur wenige Monate altes Kind auf dem Arm.

Von den nachfolgenden Wagen wird der Wagen zur Seite geschoben – der graue Wurm wälzt sich weiter.